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Geschrieben von Boris Janssen am 07. Dezember 2013.
Politik

„Dann packen wir alles ein und holen es ab“

Spielzeugmuseum im Haus des Gastes: Gründer und Leiter zur möglichen Kündigung der Räume – Umzug innerhalb der Stadt wohl ausgeschlossen

Im Spielzeugmuseum gibt es unglaublich viel zu sehen, darunter...
Im Spielzeugmuseum gibt es unglaublich viel zu sehen, darunter...
…zahlreiche Puppenhäuser…
…zahlreiche Puppenhäuser…
…Hölzernes aus dem Erzgebirge…
…Hölzernes aus dem Erzgebirge…
…eine automatische Pferderennbahn…
…eine automatische Pferderennbahn…
…auch moderneres Spielzeug…
…auch moderneres Spielzeug…
…bis hin zu Dingen aus dem Alltagsleben vergangener Zeiten, zum Beispiel Schulsachen…
…bis hin zu Dingen aus dem Alltagsleben vergangener Zeiten, zum Beispiel Schulsachen…
…allerdings sind Bilder fast das einzige, das Kinder selber machen können.
…allerdings sind Bilder fast das einzige, das Kinder selber machen können.
Das Haus des Gastes. Werden die Räume des Spielzeugmuseums bald für die Stadtverwaltung gebraucht?
Das Haus des Gastes. Werden die Räume des Spielzeugmuseums bald für die Stadtverwaltung gebraucht?

Die Wiedereingliederung des Kur- und Touristikbetriebes in die Stadtverwaltung hatte der Stadtrat ja im September selbst beschlossen. Aber dass die Beiden nun auch räumlich zusammenziehen wollen, dass sie darüber nachdenken, das Rathaus ins Haus des Gastes umzuquartieren, das hat so manches Ratsmitglied vor der Novembersitzung dann doch überrascht. Am meisten überrascht sind freilich Renate und Rüdiger Schwerz. Sie haben 1996 das Spielzeugmuseum im Haus des Gastes gegründet und leiten es seitdem. Sollte die Stadtverwaltung tatsächlich aus dem Rathaus herüberziehen, bräuchte sie viel Platz und das Museum müsste weichen.

Im Oktober informierte Bürgermeister Dr. Thomas Gans das Ehepaar Schwerz in einem persönlichen Gespräch über die Gedankenspiele. Er habe sie vorwarnen wollen, dass eine Kündigung kommen könne, sagte er in der jüngsten Ratssitzung im November als Antwort auf mehrere Anfragen. „Das finde ich fair.“

 

637 Tage ehrenamtliche Arbeit

Richtig fair behandelt scheinen sich Renate und Rüdiger Schwerz allerdings nicht zu fühlen von der heutigen Verwaltungsspitze. In einer Stellungnahme gegenüber LauterNEUES betonen sie ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit Bernd Nessig, dem 2010 pensionierten Geschäftsführer des Kur- und Touristikbetriebes, mit dem sie das Spielzeugmuseum gemeinsam aufgebaut hätten. Insgesamt 637 ehrenamtliche Arbeitstage haben Renate und Rüdiger Schwerz in den vergangenen 17 Jahren gezählt. 95 Mal seien sie dafür von ihrem Wohnort Raun nach Bad Lauterberg gereist, was einer Strecke von 57.000 Kilometern entspreche. Die zum Museum gehörenden Wohnräume, die sie selbst eingerichtet hätten, benötigten sie für ihre Arbeiten. Von einer „Ferienwohnung“, wie es der Bürgermeister auf der Ratssitzung nannte, könne keine Rede sein – das Ehepaar Schwerz spricht lieber von einer „Dienstwohnung“.

 

Zu wenig Werbung

Den Rückgang der Besucherzahlen streiten Renate und Rüdiger Schwerz nicht ab. Die hauptsächliche Verantwortung dafür trage jedoch der Kur- und Touristikbetrieb. Der sei laut Vertrag für die Werbung zuständig und an der mangele es. Außerdem: „Die Kürzung der Öffnungszeiten sowie die rückläufige Zahl der Gäste Bad Lauterbergs trugen weiter dazu bei, dass auch weniger Besucher ins Museum kamen“, stellt Renate Schwerz fest. Seit einigen Jahren seien die Besucherzahlen jedoch konstant.

Kein Verständnis hat das Ehepaar Schwerz für eine inhaltliche Bewertung des Museums: „Ob Bürgermeister Dr. Thomas Gans das Museum attraktiv findet, ist seine persönliche Meinung und spielt überhaupt keine Rolle.“ Seine Einschätzung, das Museum sei nicht für Familien, sondern ausschließlich für Erwachsene geeignet, bezeichnen sie im Übrigen als „vollkommen aus der Luft gegriffen.“ Im Gegenteil: „Mehr als 100.000 Besucher, darunter viele Familien, waren begeistert, viele Gästebücher mit sehr positiven und motivierenden Eintragungen belegen das eindrucksvoll, auch viele Eintragungen und Zeichnungen von Kindern.“

 

„Sammlung, die begeistern kann“

Und auch den Museumsverband Niedersachsen-Bremen zitieren die Beiden, der die Bad Lauterberger Einrichtung als eines von drei Spielzeugmuseen in Niedersachsen in seinem Museumsführer vorstellt: „Im Kurzentrum wird eine Sammlung präsentiert, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern kann. Kinderleben und Kinderwelt der Vergangenheit (ca. 1860 – ca. 1960) in vielen Aspekten darzustellen, ist den privaten Initiatoren anschaulich gelungen. Überraschend ist die Zahl der Puppenhäuser und Kaufmannsläden (1920er – 1950er Jahre). […] Eine andere Ebene tut sich mit Dokumenten und Objekten auf, die die Lebensabschnitte der Heranwachsenden bis heute markieren.“ Dieser Museumsführer sei immerhin von Museumsfachleuten verfasst worden.

Den Wert der umfangreichen Sammlung kann Renate Schwerz nur schwer beziffern. Einige 100.000 Euro dürften es wohl sein. Aus Platzgründen werde ja auch gar nicht alles ständig gezeigt, vieles lagere im Magazin, darunter der größte Teil einer ansehnlichen Kinderbuchsammlung. Was damit passiert? Noch sind die Räume nicht gekündigt, „die Situation ist unklar“, sagt Renate Schwerz. Klar ist aber, ein Umzug innerhalb der Stadt ist für sie ausgeschlossen. Kommt die Kündigung, „dann packen wir alles ein und holen es aus Bad Lauterberg ab.“

 

Öffnungszeiten

Wer sich selbst ein Bild vom Spielzeugmuseum im ersten Obergeschoss des Haus des Gastes machen möchte, kann das zu folgenden Öffnungszeiten tun:
Dienstag bis Sonntag von 14.30 bis 17.00 Uhr;

Donnerstag, Samstag und Sonntag zusätzlich von 10.30 bis 12.00 Uhr;
Montag geschlossen.


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