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Donnerstag, 16. Juli 2026
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Geschrieben von Boris Janssen am 17. Januar 2015.
Politik

„Eltern haben Macht – also macht was!“

Erster öffentlicher Austausch der IG Grundschule der Zukunft trifft auf großes Interesse

Der Beschluss, die Grundschule am Hausberg zur künftig einzigen Grundschule Bad Lauterbergs zu machen, bleibt heftig umstritten.
Der Beschluss, die Grundschule am Hausberg zur künftig einzigen Grundschule Bad Lauterbergs zu machen, bleibt heftig umstritten.
Die IG hat sogar den NDR angelockt, sodass Initiatorin Simone Dreymann vor der Fernsehkamera sprach.
Die IG hat sogar den NDR angelockt, sodass Initiatorin Simone Dreymann vor der Fernsehkamera sprach.

Der erste öffentliche Austausch der Interessengemeinschaft (IG) Grundschule der Zukunft ist auf große Resonanz gestoßen: Im Gemeinderaum in der Barbiser St. Petri-Kirche drängten sich am Dienstag (13.01.2015) etwa 80 Interessierte und sogar ein Fernsehteam des NDR. Erwartungsgemäß stellten die Meisten die vom Rat auf der Sondersitzung im November getroffenen Entscheidungen zur Bad Lauterberger Grundschullandschaft in Frage. Vor allem aber suchten sie nach Antworten: Was passiert jetzt eigentlich mit den Schulen, den Turnhallen, den Vereinen? Was kann man vor zukünftigen wichtigen Beschlüssen besser machen, was ist dieses Mal schiefgelaufen? Kann man an der Grundschulentscheidung vielleicht noch etwas drehen?

Wenigstens die letzte Frage konnten die drei anwesenden Ratsmitglieder beantworten: Volker Hahn (parteilos), Fritz Vokuhl (Grüne) und Rainer Eckstein (BI) dämpften allzu große Hoffnungen, dass die Grundschule am Hausberg am Ende doch nicht die einzige Grundschule der Stadt wird. Bis auf die zumindest ungewöhnlich verlaufene Sitzung des Schulausschusses seien die Beschlüsse rechtlich ordnungsgemäß zustande gekommen. Und selbst, wenn man jetzt noch mit den besseren Argumenten punkten können sollte: Die Mehrheiten seien am 27. November zu groß gewesen, als dass man ernsthaft auf einen Sinneswandel im Rat hoffen könne.

 

„Nicht alles mit sich machen lassen“

Gleichwohl ermunterten Volker Hahn und Fritz Vokuhl dazu, jetzt nicht einfach aufzugeben – schon allein als Zeichen für künftige Beschlüsse, dass die Bürger „nicht alles mit sich machen lassen“. „Man kann die Bürger nicht einfach wegdrücken“, sagte Volker Hahn. „Eltern haben große Macht – also macht was!“ Der Stadtelternrat müsse auf eine Tagung drängen. Eltern sollten sich nicht scheuen, Anträge an die Landesschulbehörde zu stellen, zum Beispiel, weil wegen der künftig wegfallenden offenen Ganztagsschule Bartolfelde Betreuungslücken entstehen könnten. Die Klärung der Schimmelfrage im Keller der Grundschule am Hausberg müsse eingefordert werden, die Gefahren durch die ungünstige Verkehrslage in der Kernstadt sollten zum Thema werden.

„Das alles hätte eigentlich schon die Stadtverwaltung tun müssen, und zwar vor der Entscheidung“, findet Volker Hahn. Aber schon für den Antrag auf Ganztagsschule habe sie im November die Frist verschlafen, womit klar sei, dass Bad Lauterberg zum Schuljahresende nicht nur eine Grundschule verliere (nämlich Bartolfelde), sondern auch eine Schulform (nämlich die offene Ganztagsschule).

 

Das Schweigen aus dem Rathaus

Auch die Bürgerinnen und Bürger zeigten sich irritiert vom gefühlten Nichtstun im Rathaus. IG-Initiatorin Simone Dreymann empfindet es so: „Es ist nur noch ein halbes Jahr bis zur Schließung der ersten Schule. Aber es rührt sich keiner.“ So habe ihr der Landkreis zum Thema Schülertransport nichts sagen können, da er in dieser Angelegenheit noch nicht von der Stadt kontaktiert worden sei. Harald Liebau kritisierte als Vorsitzender des Tuspo Südring, die Stadt habe ihn noch kein einziges Mal wegen der möglichen Turnhallenschließung in Bartolfelde angesprochen. Dabei habe der Verein ohne diese Halle „wenig Überlebenschancen“, 80 Jugendliche wären davon betroffen. Sogar im Stadtsportbund sei das Schweigen schon Thema: Dort wundere man sich, dass man auf die von der Stadt selbst angeforderte Stellungnahme zu den Turnhallen und das darin geäußerte Gesprächsangebot nicht einmal eine Antwort bekomme. Und Maximiliane Willig-Freudenthal, 2. Vorsitzende des Spielmannszuges Bartolfelde, ist völlig ratlos: „Werden wir im Sommer obdachlos? Wir wissen es immer noch nicht.“ Der Verein zahle für die Nutzung des Jugendraumes in Bartolfelde Miete, zur Zukunft habe der Verein aber bis jetzt von der Stadt weder etwas gehört noch gelesen.

 

„Unsere Fragen sind nicht gewollt“

Bei der Versammlung wurde deutlich, dass diese Funkstille einen unguten Eindruck bei den Bürgerinnen und Bürgern verstärkt: Sie fühlen sich von Politik und Verwaltung nicht ernstgenommen. Nicole Wyrwaletz erinnerte an die Demonstration vor dem Rathaus, bei der sich trotz Einladung kein Vertreter der Verwaltung den zuvor schriftlich gestellten Fragen gestellt hatte. Außerdem habe sie bei den Ratssitzungen immer wieder den Eindruck, „die Ratsherren wissen gar nicht, worüber sie reden.“ Maximiliane Willig-Freudenthal ist überzeugt: „Unsere Fragen sind nicht gewollt.“ Warum sonst werde die Einwohnerfragestunde immer mit dem Hinweis auf die Geschäftsordnung eröffnet, nach der Jeder exakt eine Frage plus maximal zwei ergänzende Zusatzfragen stellen dürfe und die Stunde „30 Minuten nicht überschreiten“ soll. Bei der Einwohnerfragestunde nach der Sondersitzung im November sei dann aber schon nach 20 Minuten rigoros Schluss gewesen: „Das war krass! Und dafür haben wir dreieinhalb Stunden gewartet.“ Harald Liebau argwöhnte für die Zukunft gar: „Das Spiel geht noch weiter. Die Dörfer sollen entwohnt werden.“

 

Gemeinsam in eine Richtung rudern

Fritz Vokuhl bescheinigte Rat und Verwaltung denn auch, es nicht geschafft zu haben, die Menschen bei der Grundschul-Entscheidung mitzunehmen: „Eine Politik Menschen für Menschen findet leider nicht statt.“ Das schaffe eine große Politikverdrossenheit in der Stadt. Und die könnte am Ende den undemokratischen Kräften in die Karten spielen, warnte Ratskollege Volker Hahn.

Die Zeichen stehen also auf Konfrontation. Aber an diesem Abend wurde auch die Hand ein Stück weit ausgestreckt. Gerlind Gottschling betonte, es gehe um die Interessen der Kinder aus ganz Bad Lauterberg, um die beste Schule für alle – wenngleich sie diese freilich eher in Barbis verortet. Und Volker Hahn bat darum, beim Kämpfen immer fair zu bleiben: „Das ist das, was wir brauchen, dass alle in eine Richtung rudern – auch zusammen mit der Verwaltung.“

 

 

Nächster öffentlicher Austausch am 27. Januar

Die IG will nun im kleinen Rahmen sondieren, wie und mit welchen Aktionen sie wirkungsvoll auf ihre Anliegen aufmerksam machen könnte. Der nächste öffentliche Austausch soll dann am Dienstag, 27. Januar 2015, um 19 Uhr wieder im Gemeinderaum in der Barbiser St. Petri-Kirche stattfinden. Alle Interessierten sind dazu eingeladen.


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