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Sonntag, 21. April 2024
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Geschrieben von Boris Janssen am 18. Juli 2015.
Politik

Ein Blick von ganz nah dran

MdB Fritz Güntzler (CDU) hat auf seiner Sommertour 2015 den Agrar-Markt Deppe und die Stadtwerke besucht

CDU-Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler ist gerne im Dialog mit dem Mittelstand - vor allem, wenn die Stimmung so gut ist, wie im Agrar-Markt Deppe in Barbis...
CDU-Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler ist gerne im Dialog mit dem Mittelstand - vor allem, wenn die Stimmung so gut ist, wie im Agrar-Markt Deppe in Barbis...
…beim Witzeln in der Werkstatt (hier mit Geschäftsführer Sven Deppe in der Mitte und dem Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion Andreas Körner)…
…beim Witzeln in der Werkstatt (hier mit Geschäftsführer Sven Deppe in der Mitte und dem Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion Andreas Körner)…
…wie auch dem zufälligen Treffen mit dem Königshagener Windparkinitiator Horst Winter (vorne rechts),…
…wie auch dem zufälligen Treffen mit dem Königshagener Windparkinitiator Horst Winter (vorne rechts),…
…dem Sven Deppe und Fritz Güntzler interessiert zuhören.
…dem Sven Deppe und Fritz Güntzler interessiert zuhören.
Fahrstunde: Sven Deppe gibt Fritz Güntzler einen ganz speziellen Einblick in die Arbeit eines Landwirts.
Fahrstunde: Sven Deppe gibt Fritz Güntzler einen ganz speziellen Einblick in die Arbeit eines Landwirts.
Posen für‘s Posting: So eine astrein absolvierte Treckertour gehört natürlich ins Facebook-Album.
Posen für‘s Posting: So eine astrein absolvierte Treckertour gehört natürlich ins Facebook-Album.
Torsten Gerke erklärt mit großer Leidenschaft das neue Blockheizkraftwerk der Stadtwerke Bad Lauterberg...
Torsten Gerke erklärt mit großer Leidenschaft das neue Blockheizkraftwerk der Stadtwerke Bad Lauterberg...
…und füttert die Gäste von der CDU mit einer Masse an Informationen.
…und füttert die Gäste von der CDU mit einer Masse an Informationen.

Politische Entscheidungen haben mitunter zwei Seiten: Was für die Gemeinschaft gut sein soll, kann dem Einzelnen das Leben unnötig schwer machen. Das hat jedenfalls Fritz Güntzler beobachtet. Und deshalb sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete: „Politiker dürfen nicht immer nur von oben gucken. Sie müssen auch mal nah dran schauen, was ihre Gesetze im normalen Leben für Folgen haben.“ Damit lieferte er am Mittwoch (15.07.2015) in Barbis gleich eine Erklärung dafür, warum er in seinem Wahlkreis regelmäßig auf Sommertour geht und regionale Unternehmen besucht. Am Mittwoch also war der Südharz dran, wo Güntzler unter anderem im Agrar-Markt Deppe und bei den Stadtwerken Bad Lauterberg ganz genau hinguckte.

 

Agrar-Markt Deppe: Ständige Anpassung

Im Agrar-Markt bekam Güntzler von Geschäftsführer Sven Deppe gleich mehrere Problemfelder gezeigt. Und an denen erklärte der Politiker, wie schwierig manchmal die Abwägung der einzelnen Interessen sei. Deppe erläuterte, dem Unternehmen fehle derzeit die Möglichkeit, in Zahlung genommene Gebrauchtmaschinen in der Ukraine oder in Russland loszuwerden. Selbst die Handelsbeschränkungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse schlügen sich über Umwege im Barbis nieder. Auf der anderen Seite nerve der Mindestlohn – nicht wegen seiner Höhe, die sei hier überhaupt kein Thema, sondern wegen des „administrativen Aufwandes“, also den Dokumentationspflichten.

Beim Mindestlohn stieß Deppe bei Güntzler auf offene Ohren. In Deutschland mache sich eine Misstrauenskultur breit, beklagte der Abgeordnete: „Man legt die Gesetze immer auf die ein, vielleicht auch mal fünf Prozent Missbrauch aus, nicht auf die 95 Prozent ehrlichen Unternehmen.“ Es werde viel Energie damit verschwendet, alles möglichst wasserdicht zu machen, dabei werde man niemals wirklich alle schwarze Schafe finden, egal, mit welchem Aufwand. „Das muss man vielleicht auch einfach in Kauf nehmen – der Wirtschaftswissenschaftler würde vom geringen Grenznutzen sprechen.“

Bei den Russland-Sanktionen dagegen kam Güntzler ins Abwägen. Das sei ein hochbrisantes Thema und man müsse sich angesichts der Menschenrechtsverletzungen schon fragen: „Kann man das alles durchgehen lassen?“ Davon abgesehen seien die Folgen der Sanktionen für Deutschland „gesamtwirtschaftlich unwesentlich“. Da müsse man ganz nah rangehen, um zu schauen, wie man dem einzelnen Betroffenen helfen kann – quasi von der Weitwinkel- zur Makro-Aufnahme.

 

Gegen Personalmangel: „Ausbilden, ausbilden, ausbilden“

Einig waren sich Deppe und Güntzler darin, dass Erbschafts- und Schenkungssteuer nicht die „Strukturen des Mittelstandes“ gefährden dürften. Gewerbesteuer dagegen zahle er eigentlich gern, gestand Deppe, schließlich habe man dann ja auch etwas verdient. „Aber es wäre schön, wenn davon hinterher wieder etwas in der näheren Umgebung ankommt“, gab er den Mitgliedern des Stadtrates mit auf den Weg.

Neben den fehlenden Exportmärkten und den allgemein steigenden Kosten – allen voran, na klar, die Lohnnebenkosten – seien die größten Herausforderungen für das Unternehmen ein genereller Marktrückgang und sinkende Mitarbeitermotivation. In der „Freizeitgesellschaft“ habe ein Urlaub im Sommer zuweilen höhere Priorität als der Landwirt, der mitten in der Erntezeit von seinem Mähdrescher im Stich gelassen wird, sagte Deppe. „Das ist manchmal schwierig – der Kunde muss doch im Fokus bleiben.“

Wie findet man im Südharz überhaupt geeignetes Personal, fragte sich Güntzler. Deppes Antwort: „Ausbilden, ausbilden, ausbilden.“ Im Zweifel auch lieber mal einen Auszubildenden „zu viel“. Auf den Marktrückgang reagiert das Unternehmen mit der Erschließung neuer Geschäftsfelder. Wer sich keine eigene Großmaschine kaufen will, leiht sie vielleicht bei der Mietgesellschaft. Die wiederum sei manchmal auch ein Einstieg für Neukunden, wenn sie sich auf dem Mietweg mit Deppes Hausmarken angefreundet haben sollten, erklärte Seniorchef Friedrich Deppe. Außerdem versuche man derzeit einen Handel für junge Gebrauchtmaschinen in die USA aufzubauen – sozusagen für die Jahreswagen unter den Traktoren.

 

Fünfte Generation in den Startlöchern

Zur Firmentradition gehöre es, früh damit anzufangen, das Unternehmen auf die nächste Generation zu übertragen. So steige allmählich die fünfte Generation in die Firma ein, berichteten Vater und Opa stolz. Über die Jahrzehnte ist aus einer alten Dorfschmiede ein modernes Dienstleistungsunternehmen mit neun Standorten und 140 Mitarbeitern geworden. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 40 Millionen Euro. Die mit großem Abstand wichtigste Sparte ist die Landtechnik: 1949 verkaufte die Firma Deppe die ersten Traktoren, 1960 wurde sie eine der ersten John-Deere-Vertretungen in Deutschland.

 

Der neueste Stolz der Stadtwerke

Die Stadtwerke Bad Lauterberg präsentierten Fritz Güntzler ihre größte Investition der letzten Jahre: das neue Blockheizkraftwerk. Es hat um die 1,8 Millionen Euro gekostet, erzeugt mit seinen Motoren aus Erdgas Strom, vor allem aber Wärme. Etwa 200 Kunden haben keine eigenen Heizungsbrenner, sondern zapfen die Wärme aus dem 13 Kilometer langen Fernwärmenetz der Stadt – darunter einige Kliniken und Hotels.

Torsten Gerke ist der Verantwortliche für die Anlage und er präsentierte sie enthusiastisch. Die Anlage sei hocheffizient. Und auch, was sie an Einnahmen bringt werde optimiert: Im Sommer wird die Wärme fast nur fürs Warmwasser gebraucht, die erforderliche Wärmemenge lässt sich gut speichern. Dann kann man die Motoren einfach dann laufen lassen, wenn der gleichzeitig erzeugte Strom möglichst teuer verkauft werden kann.

Ein noch viel entscheidenderer Punkt sei aber die ökologische Bilanz, findet Gerke. Statt 200 einzelner Heizungen läuft nur dieses Blockheizkraftwerk, lediglich unterstützt von zwei, drei kleineren Anlagen, eine davon im Vitamar. Und dieses Kraftwerk sei eben viel effizienter und unterliege strengeren Auflagen und Kontrollen – das verbessere die Luftqualität immens, für einen Kurort ja durchaus interessant. Wegen dieser Vorteile ist Gerke überzeugt, Fernwärme wird in Zukunft eine viel größere Rolle spielen, wenn auch vielleicht nicht mit größeren Netzen, sondern vielleicht mit kleineren Blockheizkraftwerken, die nur einzelne Häuserblöcke versorgen würden. „Alle reden immer von der Energiewende – das gehört auch dazu“, findet Gerke.

 

„Da bleiben jedes Jahr ein paar Millionen im Ort“

Die nächste große Investition der Stadtwerke werde die Erneuerung der Hauptwasserleitung, erklärte Geschäftsführer Dirk Schaper. Die Probleme, mit denen er Fritz Güntzler konfrontierte, waren sehr fachspezifisch. Einig waren sich beide, dass Stadtwerke eigentlich mehr seien, als austauchbare Dienstleister. Sie ständen vor allem auch für regionale Verbundenheit. „Wir wollen und können nicht der billigste sein“, gestand Schaper. Man wolle lieber reelle Preise anbieten. Das Geld verschwinde dann nicht in fernen Konzernzentralen, sondern „da bleiben jedes Jahr ein paar Millionen im Ort.“

Nun gut, ein bisschen was brauchen die Stadtwerke auch, um den Verlust des Vitamar auszugleichen. Aber Schaper versichert: „Die Zahlen des Bades sind schon gut.“ Das Minus liege bei jährlich etwa 200.000 Euro nach Steuerverrechnung. Die Sauna sei dabei mit 22.000 Besuchern im Jahr durchaus wirtschaftlich, dafür hätten schon 18.000 gereicht. Aber ein solches Bad lasse sich einfach nicht kostendeckend betreiben, schon gar nicht beim hiesigen niedrigen Preisniveau. Fritz Güntzler erklärte denn auch, deutlich teurere Einrichtungen zu kennen.

 

Von den Stadtwerken aus ging es für den sommertourenden Bundestagsabgeordneten direkt zum Muschinsky-Sommerfest.

Den Artikel zu Fritz Güntzlers Besuch auf der Sommertour 2014 finden Sie hier.


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