Kritisch, aber ruhig und sachlich ist am Dienstagabend (10.03.2015) ein erstes Gespräch zwischen der . Kritisch, aber ruhig und sachlich ist am Dienstagabend (10.03.2015) ein erstes Gespräch zwischen der

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Geschrieben von Boris Janssen am 11. März 2015.
Politik

Nicht mehr als ein Händeschütteln

Gespräch zwischen IG „Grundschule der Zukunft“, Bürgermeister und Ratsmitgliedern zeigt: Zum Umbau der Grundschullandschaft gibt es noch nichts Konkretes

Damit die Grundschule am Hausberg von allen akzeptiert wird, ist noch sehr viel Überzeugungsarbeit nötig.
Damit die Grundschule am Hausberg von allen akzeptiert wird, ist noch sehr viel Überzeugungsarbeit nötig.

Kritisch, aber ruhig und sachlich ist am Dienstagabend (10.03.2015) ein erstes Gespräch zwischen der Interessengemeinschaft (IG) „Grundschule der Zukunft“, Bürgermeister Dr. Thomas Gans und Ratsmitgliedern aus allen Fraktionen und Gruppen in der St. Petri-Kirche Barbis verlaufen. IG-Initiatorin Simone Dreymann erklärte eingangs, hier solle nicht etwa die Rechtmäßigkeit demokratisch getroffener Entscheidungen angezweifelt, sondern der getroffene Grundschulbeschluss inhaltlich hinterfragt werden. Hier säßen keine „Wutbürger“, sondern „Mutbürger“. Vielleicht, so die Hoffnung, würde der Rat bei einer Neubewertung zu einem anderen Ergebnis kommen und den Mut aufbringen, sich selbst zu korrigieren. Unterstützung fand die IG bei den Vertretern der BI-Fraktion und der Gruppe Volker Hahn/Grüne. Der Bürgermeister und die Mitglieder der GroGru SPD/CDU dagegen machten deutlich, die einmal gefällte Entscheidung nach der Genehmigung durch die Landesschulbehörde jetzt auch genau so umsetzen zu wollen.

Es wurde also ein erstes Händeschütteln, aber auch nicht mehr. Die unterschiedlichen Positionen haben sich keinen Deut angenähert. Und auch sonst war an diesem Abend kaum etwas Neues zu erfahren. Oder wie es Moderator Walter Ziegler von der Bildungsgewerkschaft GEW am Ende zusammenfasste: „Wir hatten heute kein Ziel – und das haben wir auch erreicht.“

 

Stadtverwaltung für fast nichts verantwortlich

Wie es denn nun weitergehen soll mit dem räumlichen wie organisatorischen Umbau der Grundschule am Hausberg zur künftig einzigen Grundschule Bad Lauterbergs, blieb sehr im Vagen. Auch wenn man sich schon Gedanken gemacht habe, konkrete Planungen habe man vor Erteilung der Genehmigungen nicht in Angriff nehmen können, erklärte der Bürgermeister. Umbaupläne für das über 100 Jahre alte Gebäude oder genauere Ideen für eine eventuelle Verlegung der Bushaltestelle gebe es folglich noch nicht.

Ohnehin machte Thomas Gans klar, dass die Stadt Bad Lauterberg als Schulträger ausschließlich für das Gebäude und dessen Ausstattung verantwortlich sei. In allen anderen Punkten spielte er den Ball weiter: Schülerbeförderung? Sache des Landkreises. Verteilung der Lehrer? Sache der Landesschulbehörde. Beibehaltung der Klassenverbände? Regelt das Gesetz. Ganztagsschule am Hausberg? Entscheidet der Rat und Eltern sowie Lehrerschaft müssen zustimmen. Deswegen solle nach Ostern per Fragebogen die Meinung der künftigen Grundschuleltern eingeholt werden, so Gans.

Er selbst empfehle die Einrichtung einer offenen Ganztagsschule, wie sie derzeit noch in Bartolfelde besteht. Er und die Stadtverwaltung seien auch felsenfest davon überzeugt, dass eine solche bereits zum nächsten Schuljahr hätte eingerichtet werden können. Das allerdings hätten Eltern und Lehrer der Grundschule am Hausberg rundweg abgelehnt.

Somit fällt für die Kinder der Grundschule Bartolfelde in wenigen Monaten die Nachmittagsbetreuung weg. Der Schülerbetreuungsverein in Bad Lauterberg habe aber angeboten, sein Angebot entsprechend aufzustocken. Bekommt er das gestemmt? Das ist Sache des Vereins. Und wer zahlt die für die vom Wechsel betroffenen Eltern entstehenden Mehrkosten von etwa 70 Euro im Monat? Na, sie selbst. Eine auch nur teilweise Übernahme durch die Stadt schloss der Bürgermeister auf Pressenachfrage kategorisch aus.

 

Fast alle wollen nach Bad Sachsa wechseln

Die Ablehnung, am Hausberg sofort eine Ganztagsschule einzurichten, führte Thomas Gans darauf zurück, dass man an der Schule im Gegensatz zur Verwaltung den Zeitdruck fürchte. Und man könne mutmaßen, ob es nicht auch daran liege, dass nach derzeitigem Stand von den etwa 40 in Bartolfelde betroffenen Kindern überhaupt nur eine Handvoll nach Bad Lauterberg wechseln werden. Die Eltern aller anderen Schüler orientierten sich eher zur Ganztagsschule nach Bad Sachsa. Dafür wiederum hatten die Eltern aus Bartolfelde eine Erklärung: Die wenig konkreten Aussagen zur Zukunft gäben den Betroffenen das Gefühl, „Lauterberg schafft es nicht.“

Grundsätzlich verteidigte Gans noch einmal die Entscheidung, Bad Lauterbergs Grundschulstandorte von drei auf einen zu reduzieren. Hauptargument sei gar nicht das Einsparpotential für den Zukunftsvertrag gewesen, sondern schlicht die zu erwartenden Schülerzahlen, die „eine unbequeme Wahrheit“ darstellten. Man habe die Einsparungen bloß günstigerweise gleich auf den Zukunftsvertrag anrechnen können. Außerdem sei es deutlich leichter, eine einzige Schule gut auszustatten, als gleich drei. „Davon haben alle Kinder etwas.“ Deswegen sei es letztlich auch egal, dass die Bedingungen an die Inklusionsfähigkeit von Schulgebäuden mit ziemlicher Sicherheit aufgeweicht werden, wie unter anderem die GEW bereits vor dem Ratsbeschluss vom 27. November vorausgesehen hatte.

 

Appell an die Gemeinschaft

Natürlich übte die IG an diesem Abend noch einmal Kritik an „mangelnder Transparenz“, am „viel zu eiligen Beschluss“ und der Kommunikation, die hätte „besser verlaufen“ können. Gleichzeitig betonte sie aber, nach vorne blicken zu wollen, schließlich geht es ja um die Grundschule der Zukunft. Thomas Gans gestand denn auch, ein solches Treffen „hätte vielleicht eher passieren können“. Man müsse aber akzeptieren, dass es auch eine Menge Leute gebe, die mit dem Ratsbeschluss einverstanden seien. „Wir sind eine Gemeinschaft“, erklärte Gans. „Jetzt müssen wir gucken, wie jeder seinen Beitrag leisten kann.“ Das sieht auch Ratsvorsitzender Otto Eiling (CDU) so, der im November schließlich selbst gegen die Grundschule am Hausberg gestimmt hatte: „Wir müssen jetzt die Möglichkeit geben, das hier mit Leben zu füllen.“

Ob das aber tatsächlich in der ganz großen Gemeinschaft passiert, erscheint zweifelhaft, wenn sich die Eltern aus Bartolfelde fast vollständig in die Nachbarstadt verabschieden sollten. Und an die „konstruktiven Gespräche“, von der die Stadtverwaltung in der Pressemitteilung zur Genehmigung der Grundschulschließungen berichtete, mag sich in Barbis und Bartolfelde niemand so recht erinnern.


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