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Donnerstag, 02. Dezember 2021
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Geschrieben von José V. López de Vergara am 20. November 2021
Kultur und mehr

Schnee auf dem Brocken – „Winterreise“ im Lutherhaus

Singakademie Harz (SAH) präsentierte Schuberts Liederzyklus

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Am Samstag, 6. November, sang der Tenor Florian Neubauer (Dresden) begleitet vom Pianisten Lothar R. Mayer (Bamberg) den berühmten Liederzyklus von Franz Schubert „Die Winterreise“ vor gut besuchtem Lutherhaus. Hatte die Sonne gerade das herbstliche Bad Sachsa verlassen, war es die richtige Stimmung, um dem anwesenden Publikum die 24 Lieder zu präsentieren, die Schubert in seinem letzten Lebensjahr 1828 vollenden konnte.

Dieses „opus ultimum“ ist ein Meisterwerk, dem sich meistens Sänger im Laufe ihrer Karriere stellen. Uns das schaffte der junge Florian Neubauer mit Bravour. Er gehört inzwischen zu den deutschen Nachwuchskünstlern, die in letzter Zeit die Bühnen erobern und Preise für ihre sängerischen Leistungen bekommen. Subtil und sensibel schaffte er in 90 Minuten, das Publikum mit dem Bild eines wandernden Gesellen musikalisch in den Bann zu ziehen. Aus der biedermeierisch-trüglichen Heimseligkeit bricht es mit dem ersten Lied „Gute Nacht“ in eine ungewisse aber freie Zukunft aus. Mayer gab den nötigen Wanderrhythmus vor. Neubauer überzeugte in der sprachlichen Behandlung der Textvorlage Wilhelm Müllers, bei denen die Textdiktion mit dem feinen Gespür für die jeweilige Situation, mal stark akzentuierend, mal leise markierend den Zuhörern fast das Blut gerinnen ließ. So in „Gefrorene Tränen“ oder in „Erstarrung“ wurde die Schwelle seitens des Interpreten in Richtung Publikum ständig aber behutsam überschritten. In dem Lied „Frühlingstraum“ konnte man den Sänger bei den Visionen von Eisblumen in frühlingshaften Farben begleiten. Der Pianist Lothar R. Mayer überzeugte durch seinen permanent am Puls des Solisten bleibenden Accompagnement.

Nach einer Lüftungspause fuhren beide Künstler in ihrer musikalischen Reise fort. Der Pianist eröffnete den Reigen mit einem fast lustigen fröhlichen Signalvorspiel. „Die Post“, die keinen Brief bringt und diese Enttäuschung den Wanderer mitschleppt auf seinem Weg, der im „Leiermann“ enden wird. Also der sichere Tod des Wanderer-Erzählers. Bei allen Drehungen und Wendungen, ob „Im Dorfe“ die Hundeketten rasseln, oder „Der Wegweiser“ die bestimmte Richtung in gewagten Harmonien zeigte war der Höhepunkt des Abends „Das Wirtshaus“. Kurz vor dem Ende der Reise macht der Wanderer Rast auf einem Kirchhof und nimmt wahr mit den Worten „…sind denn in diesem Hause die Kammern all besetzt?“, dass er noch nicht am Ende angekommen ist. Hier konnte Neubauer mit seiner leichten Tongebung glänzen. Die Zuhörerschaft war am Konzertende von einer genuinen Darbietung überzeugt. Beide Künstler erhielten dafür am Schluss lang anhaltenden Applaus.


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