Geschrieben von Boris Janssen am 15. März 2013
Das Coca-Cola-Geheimnis von Bartolfelde
Betriebsbesichtigung bei Schierker Feuerstein






Konzentration auf das einzige Produkt, Fokussierung auf den heimischen Markt, Treue zum Standort und ein gut gehütetes Familiengeheimnis – ein traditionsverbundenes Bild hat Geschäftsführer Walter Möller gezeichnet, als der SPD-Ortsverein am Mittwoch (13.03.2013) Schierker Feuerstein in Bartolfelde besichtigte.
Zwar stehen in den Vitrinen inzwischen auch Marmeladen, Senf, Barbecue-Saucen und sogar jede Menge Merchandise-Artikel, trotzdem ist Schierker Feuerstein nach wie vor ein Ein-Produkt-Unternehmen: Hier wird ausschließlich dieser eine Kräuter-Halb-Bitter hergestellt – und zwar 15 bis 20.000 Liter pro Tag.
Fast alles davon landet in deutschen Verkaufsregalen. Den ausländischen Markt zu erschließen sei zu aufwändig, manchmal gar zu risikoträchtig, sagte Möller und nannte die berüchtigten Schadensersatzklagen in den USA als Beispiel. So konzentriere man sich lieber auf den deutschsprachigen Raum. Schon Deutschlands Süden sei durchaus eine Herausforderung: „Dort trinken sie lieber ihren Obstler.“
Bei der Bartolfelder Spirituose gibt es buchstäblich ein Geheimnis des Erfolges: die Rezeptur. Die verwendeten Kräuter werden im alten Stammhaus in Schierke aufbereitet, dort finde man die absolute Ruhe, die für die „mühsame Arbeit“ mit den teuren Kräutern nötig sei. Außerdem herrsche im dortigen Mauerwerk eine konstante Temperatur. Zum Mixen fahre immer ein Familienmitglied nach Schierke. „Denn das Rezept wird nur in der Familie weitergegeben“, sagte Möller. „Das ist wie das Coca-Cola-Geheimnis.“
Die Mazeration und Erzeugung des Grundstoffs erfolgt dann in Bartolfelde. Zwei bis zweieinhalb Jahre ruht der Grundstoff in 3500 Liter fassenden Stahltanks, bevor er mit Wasser, Flüssigzucker und 96,5-prozentigem Alkohol zum fertigen Likör verarbeitet wird.
Abgefüllt wird er auf zwei Abfüllstraßen. Rasend schnell geht das auf der Anlage für die Kleinflaschen. Bis zu 20.000 Stück pro Stunde werden hier befüllt und am Ende von einem Automaten in die Verkaufskartons, sogenannte Trays, verpackt. Bei den großen Flaschen bis 1,75 Liter geht es gemütlicher zu. Hier zuckeln bis zu 15.000 am Tag über die Förderbänder. Das gemächliche Tempo hat einen praktischen Grund. Am Ende wird zum Beispiel jede zweite 0,7-Liter-Flasche per Hand in einen Geschenkkarton gesteckt – die großen Lebensmittelketten stehen auf solch einen Karton, erklärte Möller.
Besonders gern dürften die SPD-Politiker aber Möllers Bekenntnis zum Standort gehört haben. Es sei „absolut richtig“ gewesen, in Bartolfelde zu bleiben, obwohl der DDR-Betrieb in Schierke noch vor der deutschen Einheit reprivatisiert wurde und danach hohe Fördergelder gelockt hätten. Natürlich habe man im Unternehmen über einen Umzug nachgedacht, zumal ja die Landesgrenze nur einen einzigen Kilometer vom Firmengelände entfernt ist. Aber man habe sich dann doch ganz bewusst zum Bleiben entschieden – auch weil es die Heimat der Familie sei.
Bei aller Tradition schaut das Unternehmen wirtschaftlich in die Zukunft. Und für die macht sich Walter Möller scheint‘s wenig Sorgen. Er zeigte seinen Besuchern jedenfalls auch die Treppe zum Dachgeschoss: Hier sei schon alles für den Moment vorbereitet, in dem man die Räume ausbauen müsse.